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Willkommen auf der Startseite der SAALACH-ALLIANZ!

Wir freuen uns, Sie auf der Informationsseite www.saalach-allianz.info begrüßen zu dürfen.
Das Hochwasserereignis 2013 hat die Schwachstellen an der Saalach deutlich aufgezeigt.
Sowohl in Österreich, wie in Deutschland, haben die Fluten große Schäden verursacht.
Im Februar 2014 haben sich daher Naturschützer, Fischer und Kanuverbände aus Österreich und Bayern
zur Saalach-Allianz zusammengeschlossen.
Auf unsere Website wollen wir Sie ausführlich und zeitgerecht über Themen zur Saalach informieren.


Die naturnahe Saalach beim Käferheimer Wehr

Saalacherkundung per Rad-'Die Saalach braucht Freunde'

14.07.2018. Auf den letzten 20 Kilometern von Reichenhall bis zur Mündung hat es die Saalach schwer. Die 80 Kilometer davor, von der Quelle bis Schneizlreuth, gilt sie dagegen als ein ökologisch intakter natürlicher Wildfluss. Offiziell bezeichnet wird die als „verzweigter, stark geschiebeführender sommerkalter Gebirgsfluss“. Jedenfalls eine Schatzkammer der Artenvielfalt. Bei einer Radltour von der Kiblinger Sperre bis zur Salzachmündung, kann man gut erkennen, warum die Saalach hier von einem guten ökologischen Zustand weit entfernt ist.



Erich Prechtl von der Saalach-Allianz ist ein Kenner der Problematik. Ihn beschäftigt der Fluss schon ein halbes Leben lang und bei der Tour erläuterte er an den besonders kritischen Stellen den Teilnehmern die Details. Organisiert wurde der „informative Ausflug“ von Ulrich Scheuerl, der nach einer Wanderung der Reichenhaller SPD wegen der Kraftwerkspläne in Schneizlreuth die Idee dazu hatte. Diesmal ging es zusammen mit dem Bund Naturschutz und der Saalachallianz zum problematischen letzten Abschnitt der Saalach. Erich Prechtl freute sich, rund zwei Dutzend Saalachfreunde mit auf die Tour nehmen zu können.

Bevor es los ging, verwies Prechtl auf die Europäische Wasserrahmenrichtlinie. Sie ist eine verbindliche Vorgabe, die Gewässer Europas zu klassifizieren, den Zustand zu bewerten und falls nötig Maßnahmen zur Verbesserung zu treffen. Wichtig für zukünftige Projekte ist das sogenannte Verschlechterungsverbot und zusammen mit den dazu gefällten Gerichtsentscheidungen gilt die europäische Richtlinie für Naturschützer als ein scharfes Schwert. Die Saalach, so Prechtl, wird eingeteilt in zwei Abschnitte unterschiedlicher Kategorien. Von Kibling bis nach Piding wird der Zustand nur als gut (2. Kategorie) bezeichnet. Und ab Hammerau wird der Fluß als stark verändertes Gewässer eingestuft.

Unterwegs gab es dann die Bewertung der drei bestehenden Wasserkraftwerke, die Besichtigungen von künstlich errichteten Stauwehren, von Uferbefestigungen, Flusseintiefungen und Abschnitten, wo ausgebaggert wird. Weil seit nunmehr 100 Jahren, nach der Errichtung des Kiblinger Wehres, das natürliche Geschiebe ausbleibt, wird ständig mit viel Geld und Aufwand versucht, die Folgen abzumildern und zu reparieren. Während die Kraftwerksbetreiber, die Bahn AG, die Annahütte sowie die Salzburg AG die Saalach zur Stromgewinnung für ihre Zwecke nutzen, trage die Gesellschaft die Lasten der Gewässersanierung.

Nonner Rampe

Erste Station aber war die Nonner Rampe. Sie wurde 1970 zur Stützung der Saalachsohle künstlich geschaffen. Nach der Gewässerbiologie gilt sie wegen ihrer Steilheit als nur eingeschränkt durchgängig. Falls ein Kraftwerk gebaut werden sollte, müsste mit der Maßnahme die Durchgängigkeit für das Geschiebe, die Fische und Kleinlebewesen verbessert werden. Und zwar nach oben und nach unten, so Prechtl. Angeblich soll es ja ein ökologisches Kraftwerk werden. Aber so was gibt’s nicht, meinte er. Allein schon, weil die Mehrzahl der Fische kleiner ist als der Rechenabstand vor der Turbine.

Marzoller Au – ein positives Beispiel

Beim nächsten Halt in der Marzoller Au wurde diese von Wolfgang Bittner als Beispiel einer positiven Entwicklung erläutert. Hier haben sich Biotope entwickelt, die charakteristisch für einen Auwald sind. Es stellt sich jetzt aber eine neue Frage. Zwischen den Teichen wurden mit Hilfe sogenannter Mönche künstliche Verbindungen unter den Forst- und Wanderwegen hindurch geschaffen. Allerdings ohne die Rechnung mit dem Biber zu machen. Er staut auf, wo es nicht geplant war und verbaut Mönche, dass sie undurchlässig werden. Was ist zu tun? Soll man sich mit der Wegführung jeweils nach dem Biber richten, oder soll man die Wasserläufe aufwändig freihalten? Der Biber, das ist bekannt, der ist fleißig.

Nach mehreren Zwischenstationen ging Erich Prechtl noch ausführlich auf die Hochwasserproblematik in Freilassing ein. Die 2013 so katastrophalen Überflutungen waren eigentlich vorhersehbar, da das Flussbett der Saalach vor der Eisenbahnbrücke nur ein dreissigjähriges Hochwasser aufnehmen kann. Darauf wurde bereits bei einem Gutachten von 2001 hingewiesen. Es blieb ungehört, so der Referent.

Im Gasthof Zollhäusl in Freilassing wurde dann noch ausgiebig diskutiert und von Erich Prechtl das Fazit gezogen. Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL) sei von entscheidender Bedeutung für die Gewässer des ganzen Kontinents. Bereits bis 2015 sollte sie umgesetzt werden. Bis dahin hätten alle Gewässer einen guten ökologischen Zustand oder ein gutes ökologisches Potential erreichen müssen. Leider hinken Bayern und Deutschland bei diesem Auftrag gegenüber anderen Ländern weit hinterher. Auch dazu sei die Saalach-Allianz im Jahr 2014 gegründet worden. Sie ist ein Zusammenschluss von Naturschutzverbänden, Fischereivereinen und Kanusportlern aus Bayern und Österreich (www.saalach-allianz.info). Was es jetzt braucht sei der politische Wille, Flüsse wieder lebendiger und erlebbarer zu machen, so der Sprecher der Allianz. Auch die Bevölkerung ist dazu aufgefordert, für den Wert naturnaher Gewässer einzutreten. (Erich Prechtl)

Ausleitungskraftwerk Unken

Seit längerer Zeit gab es schon Gerüchte um diese Kraftwerksprojekt. Nun wurde die 'Katze aus den Sack gelassen'.
Hier ein Bericht von der Gemeinderatssitzung im Rathaus Unken am 18. Januar 2018


Der Sitzungssaal im Unkener Rathaus hat so etwas noch nie erlebt. Das meint jedenfalls Bürgermeister Hubert Lohfeyer. Gemeint hat er den Zuschauerandrang und das öffentliche Interesse. Grund dafür sind die Pläne für ein Wasserkraftwerk. Errichtet werden soll das Ausleitungsbauwerk im Ortsteil Niederland der Gemeinde Unken, nördlich der Einfahrt in den Achbergtunnel, unterhalb der Grenztankstelle.

Von dort wird das Wasser der Saalach 6,3 Kilometer durch einen Triebwasserstollen mit fünf Metern Durchmessern durch den Kienberg geleitet bis zum geplanten Kraftwerk zwischen der Saalachbrücke in Schneizlreuth und dem Ortsteil Fronau. Die Saalach würde auf eine Länge von 7,1 Kilometer beeinträchtigt. Das Kraftwerk soll ca. 47 Mio. Kwh/a Strom erzeugen und damit 13.000 Drei-Personenhaushalten versorgen können.

Vorgestellt wurde das Projekt von Franz Leikermoser (Tankstellenbetreiber) Josef Reschen (ehem. Bgm. von Salzburg) und Herrn Abfalter. Leikermoser kündigte eine 'offene und ehrliche' Beteiligung der Bevölkerung an und sieht das Projekt als Konsequenz der anstehenden Energiewende und der Dekarbonisierung.

Die Details nannte Josef Reschen: Kraftwerksgröße 9,6 MW. Wasserfassung und Rückstau vor dem Schlauchwehr ca. 600 Meter. Zur Wasserableitung wird ein Schlauchwehr mit 1,90 Metern Stauhöhe errichtet. Möglichkeiten für den Fischaufstieg und –abstieg werden eingebaut. Die Restwassermenge werde so dimensioniert, dass bei einem mittleren Niedrigwasser 80 bis 90 Prozent der Wasserfläche erhalten bleiben.

In der Diskussion wurde die Restwassermenge dann von den Zuhörern (die neben den Räten ebenfalls reden durften) hinterfragt. Die Antwort relativierte dann den Vortrag: Die Restwassermenge ist erstens noch nicht festgelegt. Und zweitens, die Behauptung '80 bis 90 Prozent der Wasserfläche bleiben erhalten', meint nur, dass dieser Teil von Wasser benetzt sein wird. Vermutlich würde die Saalach auf der 7,1 Kilometer langen Ausleitungsstrecke nur noch ein kümmerliches Rinnsaal darstellen. Ein anwesender Fischer merkte dazu an: Was soll die Fischaufstiegsstrecke am Schlauchwehr, wenn es unterhalb über Kilometer keine Fische gibt.

Redebeiträge und kritische Fragen gab es dann sehr viele in der Diskussion. Eigentlich nur Ablehnung. Etwa bei den Fischern im Pinzgau. Sie befürchten die Verschlechterung eines noch naturnahen Flussabschnitts und lehnen das Projekt ab. Im Vortrag sprach Reschen aber von 'höchsten ökologische Standards', von einer Flussökologie, die sich nicht verschlechtert und von der Erhaltung der Saalach als 'lebendigen und naturnahen Gebirgsfluss'. Anwesend war dagegen ein Vertreter des bayerischen Kanuverbandes, der das Projekt entschieden ablehnte.

Konfrontiert wurden die Betreiber auch damit, dass angeblich das WWA Traunstein bei einer Vorprüfung das Projekt wegen des Verschlechterungsverbotes (EU -Wasserrahmenrichtlinie) bereits negativ beurteilt habe. Reschen wusste davon nichts.

Ein Thema bei der Diskussion war auch die Wirtschaftlichkeit. Erste Planungen sind vor einigen Jahren lt. Reschen wegen fehlender Wirtschaftlichkeit aufgegeben worden. Die damaligen Baukosten wurden mit 54 Mio. Euro kalkuliert. Auf Nachfrage, was sich denn seither so gravierend geändert habe, meinte Reschen, das wären jetzt wegen der Energiewende zu erwartende steigende Strompreise. Sehr spekulativ, meinte dazu einer aus dem Publikum. Eher wäre durch die Klimaveränderung durch vermehrte Hochwasser und längeren Trockenperioden von sinkenden Erträgen auszugehen.

Fazit der Veranstaltung: Der Bürgermeister von Unken und die Gemeinderäte haben sich bei der Veranstaltung bedeckt gehalten aber sie haben wohl bemerkt, dass ziemliche Widerstände zu erwarten sind. Besonders auch deshalb, weil den Nutzen die drüben in Bayern haben. Noch im Jahr 2018 wollen die Betreiber die Unterlagen fertig haben und sie bei den Behörden zur Prüfung und Genehmigung einreichen. Da sie Widerstände, auch gerichtliche erwarten, ist so schnell aber kein Baubeginn abzusehen. Demnächst wollen sie eine weitere Vorstellung in Schneizlreuth machen.

Bericht: Ulrich Scheuerl u. Erich Prechtl, Fotos: Erich Prechtl, im Sommer 2017 aufgenommen.

Der 'noch' naturnahe Streckenabschnitt Unken - Fronau / Saalach